Die Rede vom Bestsellerautor und Schirmherr Frank Schätzing zur Eröffnung der Endkämpfe der intern. Deutschen Jugendmeisterschaften 2019 in Köln:

Erst mal – Glückwunsch! Allen Sieger der letzten
Tage, und auch allen zweiten Siegern, die vielleicht
den Kampf nicht gewonnen haben, aber egal. Ihr seid
dabei, und darauf kommt es an. Ihr habt gezeigt, dass
ihr kämpfen könnt, und ihr zeigt es auch heute. Dafür
verdient ihr Respekt.
Nachdem ich schon mehrfach hier oben gestanden
habe, habe ich überlegt, was ich euch noch Neues
erzählen könnte – und da kam mir die Idee, mal über
ganz andere große Kämpfer zu sprechen. Die Zeit
dieser Kämpfer liegt einige Jahrhunderte zurück, man
nannte sie Ritter. Die größten Ritter waren natürlich
immer auch die besten Kämpfer, stark, schnell,
geschickt und zäh. Über manche von ihnen sind
Lieder gesungen worden und Legenden entstanden.
Aber damit man zur Legende wurde, musste man
mehr drauf haben als das Schwert zu führen und den
Gegner in die Knie zu zwingen. Man musste ritterlich
sein. Dann erst galt man als ruhmreich und als
Vorbild für andere.
Ritterlichkeit gründete auf drei Begriffen: Respekt,
Ehre, Fairness. Dabei ging es nicht darum, Respekt
erst mal für sich selber einzufordern, sondern ihn dem
Anderen, auch dem Andersdenkenden, zu erweisen.
Ehre bedeutete, zuallererst die Ehre des Anderen zu
würdigen, gerade auch die des Gegners. Fairness
erforderte, selber fair zu handeln. Und daran hat sich
bis heute nichts geändert. Nur der verdient Respekt,
der ihn anderen erweist. Nur der hat Ehre, der die
Ehre des anderen respektiert. Nur der ist fair, der sich
fair verhält. Nur der verdient Toleranz, der selber
tolerant ist.
Aktuell, in einer Zeit, in der im Netz Hass verbreitet
wird und Menschen gemobbt werden, Politiker
Morddrohungen dafür erhalten, dass sie sich für
Schwächere einsetzen, Intoleranz und Nationalismus
um sich greifen und ein krimineller und verlogener,
rassistischer und sexistischer Mistkerl Präsident der
Vereinigten Staaten sein darf, ist es wichtiger denn je,
dass wir wieder Ritter haben. Kämpfer für das Gute
und Richtige, Kämpfer für Fairness, Gleichheit und
Weltoffenheit. Dass ihr kämpfen könnt, das habt ihr gezeigt.
Aber es gibt auch einen Ring des Lebens. Und gerade der
SC Colonia war immer schon mehr als ein bloßer Box
Club. Zu allen zeiten hat man jungen Menschen hier
vermittelt, einzustehen für Werte, für ein respektvolles
Miteinander, für Anstand und Rücksichtnahme.
Wenn immer ihr also seht, dass jemand wegen seiner
Herkunft, seiner Hautfarbe, seines Geschlechts,
seiner sexuellen Orientierung, seiner Meinung – auch
wenn ihr sie nicht teilt – angepöbelt wird, schreitet
ein. Wenn ihr seht, wie rückwärtsgewandte Idioten
Nazi-Parolen grölen, stellt klar: Mit mir nicht! Wenn ihr
seht, wie aufgeblasene Macho-Typen Frauen
bedrängen, geht dazwischen. Wenn ihr seht, wie
Menschen anderen Menschen im Namen irgendeines
Gottes Gewalt antun, steht auf und kämpft dagegen.
Jeder hat das Recht, so zu leben, wie er will, aber
ebenso wichtig ist es zu verstehen, dass die Freiheit
des Einzelnen immer dort endet, wo sie die Freiheit
des anderen einschränkt und bedroht.
Ihr alle hier seid Kämpfer. Und Ihr seid toll. Ganz
egal, ob Ihr gewinnt oder verliert. Das spielt keine
Rolle. Mal gewinnen, mal verlieren, so ist das Leben.
Aber vielleicht seid ihr ja noch mehr. Vielleicht seid ihr
ja die Ritterinnen und Ritter der kommenden Zeit. Das
würde mich und viele andere riesig freuen.
Heute werdet ihr gefeiert. Morgen werdet ihr
gebraucht, überall dort, wo Unrecht geschieht. Steht
gegen das Unrecht auf. Ihr könnt die Welt zu einem
besseren Ort machen.

Frank Schätzing
Foto: dpa